Basketballer trauern um Willi Pupp

Mit Willi Pupp verliert die KuSG- Basketballabteilung ihren „Gründungsvater“ und die Sportstadt Leimen einen großen Bürger, engagieren Sportler und Funktionär, der sein Leben dem Ehrenamt in der KuSG gewidmet hat. Er hat über Jahrzehnte die Basketballabteilung mit seinen Helfern und Trainern aufgebaut und zwischenzeitlich zur größten und erfolgreichsten Abteilung der Bundesrepublik entwickelt. Die KuSG Basketballer waren das sportliche Aushängeschild des größten Vereins der Gemeinde und damit auch der Stadt Leimen.


Vier Deutsche Meisterschaften und viele Vizemeisterschaften wurden in seiner Ära als Abteilungsleiter und Trainer errungen. Die Damen, seine Herzensangelegenheit, schafften es bis in die erste Bundesliga. Das private Glück fand er mit seiner Spielerin Gislinde, kurz „Gissi“, die mit ihm seinen sportlichen Traum lebte und ihn zuerst auf dem Spielfeld und später auch in der Abteilungsleitung unterstütze. Wenige Jahre nach seinem Rückzug als Abteilungsleiter, sportlich aktiv, den beruflichen Ruhestand genießend, erlitt Willi Pupp 2000 eine Hirnblutung. Eine spastische Halbseitenlähmung war die Folge. Nun war seine ehemalige Spielerin seine Trainerin und liebevolle Betreuerin. Mit ihrer Hilfe konnte er noch viele Jahre am Abteilungsleben teilnehmen und seine Basketballdamen unterstützen. Ihr gilt unser Mitgefühl und unser Dank!

Ein Leben für den Basketball!

So kann man das Leben von Willi Pupp zumindest ab 1959 beschreiben. In diesem Jahr fand am 12. Januar die Gründungsversammlung der KuSG- Basketballabteilung statt. Willi Pupp, damals noch Student, war sportlicher Leiter unter dem ersten Abteilungsleiter Rudolf Rau, einem Handballer. Die US-Amerikaner hatten nach dem 2. Weltkrieg das Basketballspiel nach Deutschland gebracht und in der Universitätsstadt Heidelberg, in der viele Amerikaner stationiert waren, war ein Hotspot. Der TB Heidelberg war 1951 – 1953 Deutscher Meister der Herren, der USC Heidelberg von 1957-62. Bei den Damen war ebenfalls der TB Heidelberg 1952 Deutscher Meister, der HTV von 1955 – 1960.

Mit dem Bau der Steinberghalle waren auch in Leimen die Bedingungen für diese attraktive neue Sportart gegeben. Man hatte sich im Rosensaal ohne Körbe auf das Eröffnungsspiel vorbereitet und gewann gegen EK Walldorf 66:49. Hier war Willi Pupp als Spieler aktiv (kniend in der Mitte).

Auch wenn die Körpergröße damals noch nicht eine so große Rolle wie heute spielte, so war Willi als Spieler im Nachteil. Als Trainer der Damenmannschaft konnte er seine ganzen Stärken ausspielen. Schon drei Jahre nach der Gründung stieg die Damenmannschaft unter seiner Leitung in die höchste Liga auf.

Willi links als Trainer neben seiner späteren Ehefrau Gissi.

Neben dem Spielbetrieb wurde das familiäre Vereinsleben gepflegt. Gemeinsame Fahrten nach Schweden, als die meisten Menschen noch Urlaub im Schwarzwald machten, waren das Sahnehäubchen. Das Internationale Turnier wurde ab 1962 im Zweijahresrhythmus zum Erfolgsschlager. Schon acht Jahre nach der Abteilungsgründung waren die Damen Deutscher Vizemeister.1968 führte Willi Pupp „Minibasketball“ in Leimen ein und holte damit im Jugendbereich über zwei Jahrzehnte den Vorsprung gegenüber anderen Vereinen heraus. Mit dem ehemaligen Nationalspieler Horst Stein als Trainer wurde 1971 mit der männlichen B-Jugend die erste von vier Deutschen Meisterschaften unter der Abteilungsleitung von Willi Pupp gewonnen. Der Förderverein Leimener Basketballer e.V. wurde 1971 gegründet, um den wachsenden Spielbetrieb zu unterstützen.

Das olympische Jahr 1972 war das erfolgreichste Jahr der Vereinsgeschichte. Die KuSG Leimen wurde erfolgreichste Basketball – Jugendabteilung der Bundesrepublik. Im weiblichen Bereich stand man in allen drei Altersklassen im Halbfinale um die deutsche Meisterschaft und holte mit der weiblichen A-Jugend die deutsche Meisterschaft. Der Trainer hieß Willi Pupp!

Mit der männlichen C-Jugend wurde die Landesmeisterschaft Baden- Württemberg gewonnen. Die männliche B-Jugend verlor das Finale der Deutschen Meisterschaft gegen Leverkusen. Die weibliche A-Jugend wurde in Göttingen verdient Deutscher Meister. Die von Ursel Mayer und Willi Röschl trainierte weibliche C-Jugend wurde Deutscher Vizemeister. Die Erfolge setzten sich über fast 2 Jahrzehnte fort. Die 1. Damenmannschaft stieg 1982 mit ihrem Trainer Roland Geggus in die erste Bundesliga auf. Die Herrenmannschaft folgte 1986 in die zweite Bundesliga.

Im gleichen Jahr wurde die KuSG Leimen für die beste Jugendarbeit in Baden-Württemberg ausgezeichnet. Zu dieser Zeit spielten 16 Jugendmannschaften und 6 Seniorenmannschaften für die KuSG.

Da der Spielbetrieb zunehmend teurer wurde und langsam die Professionalisierung Einzug hielt wurde mit dem Freundeskreis Leimener Basketballer e.V., ein weiterer Förderverein gegründet. 1992 wurden im weiblichen Bereich alle Altersklassen BBW-Meister, 2 Teams zogen sogar in die Endrunde der Deutschen Meisterschaften ein. Für die beispielhafte Nachwuchsarbeit wurde die KuSG Leimen mit dem Grünen Band der Dresdner Bank ausgezeichnet, welches unter Leitung des Deutschen Sportbundes nur einem deutschen Verein je Sportart verliehen wird. Der Preis war mit 10000,- DM dotiert. Die Damen gewannen die Deutsche Meisterschaft der Seniorinnen. Mit von der Partie und erfolgreich von der Dreipunktelinie seine Frau und treue Weggefährtin Gissi Pupp.

Nach 35 Jahren in der Abteilungsleitung trat Willi Pupp 1994 zurück. Die Damen spielten in der 2. Bundesliga. Die Herren in der Regionalliga. Die Jungendmannschaften waren in Baden-Württemberg in der Spitze. Der Ruhestand als Basketballabteilungsleiter war redlich verdient. Von der Gründung bis in die erste Bundesliga der Damen und der 2. Bundesliga der Herren. Eine unbeschreibliche Erfolgsgeschichte! Basis war eine Jugendarbeit vom Minibasketball bis zur U18 mit unzähligen Meisterschaften. Drei Deutsche Jugendmeister, 8 Deutsche Vizemeister, 4 Südwestmeister, 14 Süddeutsche Meister, 3 Süddeutsche Vizemeister über 40 BBW-Meister krönten die Arbeit von Willi Pupp und seinen Mitstreitern.

Danke Willi für dein Engagement über 35 Jahre, für so viele schöne Erfolge und die gemeinsame Zeit!

Wir Basketballer werden uns immer dankbar an dich und deine herausragenden Leistungen für die KuSG und den Basketballsport in Deutschland erinnern.